Grundidee

Weiterbildung für Allgemeinmediziner aus einem Guss

Grundidee für die Gründung des akademischen Weiterbildungsverbundes der Ruhr- Universität Bochum ist die Schaffung eines Kontinuums zwischen studentischer Ausbildung und qualitativ hochwertiger allgemeinmedizinischer Weiterbildung.

Studierende, die die Allgemeinmedizin während ihres Blockpraktikums in ausgebildeten Lehrpraxen der Ruhr-Universität Bochum kennen gelernt haben und an einer Weiterbildung in der Allgemeinmedizin interessiert sind, haben die Möglichkeit, ihr Wahl-Tertial im praktischen Jahr in der Allgemeinmedizin zu absolvieren. Speziell diesen Teilnehmern soll die Möglichkeit gegeben werden, ihre Weiterbildung im Rahmen des Verbundes zwischen geschulten akademischen Lehrpraxen und kooperierenden klinischen Abteilungen anzuschließen.

Die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin soll schneller, effektiver und zielgerichteter erfolgen. Wesentliches Merkmal der Verbundweiterbildung sind Vertrags- und Lohnsicherheit der Ärzte in Weiterbildung für die gesamte Weiterbildungsdauer.

Künftige Hausärzte sollen die Möglichkeit bekommen, viele lokale Versorgungsstrukturen im stationären und ambulanten Bereich bereits in der Weiterbildung kennenzulernen. Der Mangel an Assistenten für die Klinik und / oder Praxis stellt sicher eine wichtige Motivation für die Gründung des Verbundes dar; ist aber nicht das Hauptanliegen unserer Kooperation.

Ein zentrales Ziel der Verbundweiterbildung muss vielmehr sein, dass für die spätere allgemeinmedizinische Tätigkeit zentrale Fähigkeiten und Fertigkeiten strukturiert erlernt und auch nachgehalten werden. Hierzu wurden gemeinsame Standards definiert, die die Bedürfnisse der Hausärzte von morgen aufgreifen[1] und eine qualitativ hochwertige Weiterbildung gewährleisten sollen.

Nach 2 Jahren "Innere Medizin" mit Rotationen in Aufnahme, Intensivstation, Funktionsdiagnostik und unterschiedlichen Schwerpunktstationen folgt eine Rotation in die Chirurgie sowie Kurzzeitrotationen in klinische Fächer nach Wahl. Während der gesamten stationären Weiterbildungszeit ist die Integration der später weiterbildenden Lehrpraxen durch sog. „Coming home-Tage“ gewährleistet.

Ein Quereinstig in die Verbundweiterbildung bis ins 3. Weiterbildungsjahr im Sinne des „Common Trunk“ soll ermöglicht werden, stellt aber nicht die Regel dar.

Die ambulanten Weiterbildungstage werden durch ein Portfolio strukturiert, in dem die zu durchlaufenden Aufgaben, Kurzzeithospitationen in anderen fachärztlichen Praxen und regelmäßige Mentorenkontakte vorgesehen sind.

Die Weiterbildung soll durch die Anbindung einer Kindertagesstätte und die Möglichkeit zur Teilzeitbeschäftigung auch für junge Eltern attraktiv gemacht werden, um Zeiten ohne ärztliche Tätigkeit im Rahmen der Kindererziehung zu reduzieren.

Die didaktische Unterstützung durch die Abteilung für Allgemeinmedizin beinhaltet eine kontinuierliche Kursweiterbildung während der gesamten Weiterbildungsdauer, ein integriertes Mentorensystem sowie ein inhaltlich abgestimmtes kompetenzbasiertes Curriculum.

Qualitätsstandards für Lehrpraxen und Weiterbilder beinhalten die Teilnahme an didaktischen Qualifizierungsmaßnahmen.

Eine wissenschaftlich fundierte begleitende Evaluation soll die Qualität der Verbundweiterbildung gewährleisten. Hierzu sollen mögliche Auswirkungen des Weiterbildungsmodelles auf qualitativer wie quantitativer Ebene untersucht werden.

Durch die Kooperation mit der Ruhr-Universität ist die Möglichkeit zur begleitenden Promotion gewährleistet.



[1] Huenges B, Weismann N, Osenberg D, Klock M, Rusche H:  Weiterbildung aus Sicht der (Haus-)ärzte von morgen. Befragung von Ärzten in Weiterbildung für Allgemeinmedizin und Allgemeinmedizin / Innere Medizin im Vergleich zu anderen Fachrichtungen im Raum Westfalen-Lippe. Zeitschrift für Allgemeinmedizin 10/2010: 369-378