Praxisphase

Vorbemerkung:

Im vorgestellten Ablaufschema sehen Sie unseren Vorschlag zur Strukturierung Ihrer Weiterbildung während der Praxiszeit.
Er soll als Grundlage für individuelle Zielgespräche zwischen Praxisinhaber / Weiterbilder und des Arztes in Weiterbildung dienen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Ablauf und Dauer der einzelnen Phasen ist von vielen Faktoren abhängig, so dass diese interindividuell stark schwanken können.

Zusammenfassung (Volltext weiter unten, Kapitel mit Hyperlinks anwählbar):

0. Arbeitsbeginn: Bestandsaufnahme & Zielvereinbarung

1. Einarbeitungsphase (bis Ende 1. Monat / 1. Quartal): 
    Einführung in häufige Problemstellungen und Praxisablauf

2. Zweite Phase (Ende 2. Quartal): eigenständige Behandlung von Patienten

3. Dritte Phase (bis Ende des 1. Jahres): Hausärztliche Routine und Erarbeitung von strukturierten Vorgehensweisen

4. Vierte Phase (bis Ende der Weiterbildung):
Sicherheit in Diagnostik & Therapie, zunehmend eigenständiges Arbeiten

 

Hier der Volltext:

0. Arbeitsbeginn: Bestandsaufnahme & Zielvereinbarung

0.1 Klärung der Weiterbildungsinhalte

0.11 Bestandsaufnahme: was wurde bisher gelernt?

Welche Rotationen wurden durchlaufen?
Sicherheit in der Befundung:

körperliche Untersuchungsbefunde (Bewegungsapparat, Abdomen, Herz/ Kreislauf, Lunge, Neurostatus)
Labor
EKG
LUFU
Ergometrie
Sonographie Abdomen
Sonographie Schilddrüse
Sicherheit bei Versorgung von häufigen Wunden

0.2 Erfassung von subjektiv empfundenen Stärken und Schwächen / Unsicherheiten

0.3 Abgleich mit dem Weiterbildungskatalog: was muss noch durchlaufen werden?

Dopplersonographien
Endoskopien

0.4 Selbststudium / Fort- und Weiterbildungskurse:

Welche Inhalte müssen eigenständig bearbeitet werden?
Welche Kurse sollen besucht werden? (Kursweiterbildung AM, psychosomatische Grundversorgung, Balintgruppe, lokale Fortbildungsveranstaltungen)

Wo ist was nachzulesen? (EBM-Guidelines, Praxisleitfaden, Leitlinien der Fachgesellschaften, Material in der Praxis & Internetquellen)

0.5 Zielvereinbarungen für die Weiterbildung

Zusammenfassung der genannten Punkte zu einem Lehr- und Aufgabenkonzept für die gesamte Weiterbildung
Vorstellung und ggf. Ergänzung des Programms und Vereinbarung von Terminen zur Überprüfung der Zielvereinbarung

Wie lange werden die Phasen gesetzt?

 

1. Einarbeitungsphase (bis Ende 1. Monat / 1. Quartal):

     Einführung in häufige Problemstellungen und Praxisablauf

1.1 Ablauf / Setting:

Zuordnung zu einem Weiterbildner und Einführung in allgemeinmedizinisches Case Management:
Patientensituationen, Anamnese, Untersuchungstechniken, Diagnostik, Gesprächsführung und Medikamentenverordnung

Konzept: abwartendes Offenhalten / abwendbar gefährlicher Verlauf, Red flag / Yellow flag
Mitlaufen, Beobachtung und Besprechung der Vorgehensweisen, soweit Zeit bleibt
„kleine Tätigkeiten (z.B. Impfen) können schon eigenständig durchgeführt werden, nachdem der Weiterbildner sich überzeugt hat, dass sie sicher beherrscht werden.

1.2 Inhalte

1.21 Umgang in der Praxis mit häufigen Problemstellungen

Einführung in das Computersystem
Rücken & Gelenkschmerzen: Red Flags, Yellow Flags, Therapiemaßnahmen in der Praxis (Mikrowelle, Schmerzmittel, AU, ggf. Chirotherapie), Indikationen zu weiterer Diagnostik / Überweisung (Röntgen, Labor, CT, Neurologie, Orthopädie, Rheumatologie)

Infekte: Häufige Infekte in der Allgemeinmedizin (HNO, bronchopulmonal, Haut, Urogenital): Wann Antibiotikum, welche Präparate 1. Wahl? Wann Mikrobiologie, Labor oder Röntgen
Management von arteriellem Hypertonus. Präparate 1./2. Wahl, Therapiekontrollen, Indikationen zur stationären Einweisung, Indikationen zur Überweisung an Fachärzte
i.m.- Injektionen: B-12 und Impfungen
STIKO-Kalender aktuell
Marcumar-Schemata, Konzepte zum Bridging
Vorsorgeuntersuchungen: Check-Up-35, Krebsvorsorgen: Inhalt und Ablauf
DMP Diabetes, KHK, Asthma, COPD: Inhalt und Ablauf
Ablauf der Anmeldung / Terminvereinbarung / MFA: wer ist wofür zuständig?
Schnittstellen: Fachärzte / Krankenhäuser in der Umgebung: Welche Kollegen welcher Fachbereiche? Physiotherapie, Pflegedienste
Medikamentenverordnungen: Reglements rotes/blaues/grünes Rezept, Therapiekontrollen, Medikamentenpläne
Reglements & Formulare: Krankenpflege, AU, Krankengymnastik, Einweisung, Überweisung
Hausbesuch: mitgehen und Ablauf, kennen lernen der Heime & Einführung bei HB- Patienten
Grundhaltung der Praxis zu alternativen Heilverfahren, Akupunktur, Naturheilkunde, Homöopathie etc.

1.3 Zwischengespräch: Einarbeitung erfolgreich?

wurden o.g. Punkte kennen gelernt?
wo bestehen noch Schwierigkeiten / Klärungsbedarf

in welchen Bereichen (s.u.) traut sich Arzt in Weiterbildung bereits zu, selbstständig zu arbeiten?

 

2. Zweite Phase (Ende 2. Quartal): eigenständige Behandlung von Patienten

2.1 Ablauf / Setting

2.11 Zunehmend eigenständige Behandlung von Patienten unter enger Qualitätskontrolle

Erst Fall für Fall (Vorstellung, Therapiemaßnahmen besprechen)
Regelmäßige Besprechungen von Patientenfällen (mittags / abends)

umgehende Nachfrage bei Problemen / abwendbar gefährlichen Verläufen
nach erstmaliger Durchführung werden Vorgehen & Ergebnisse besprochen, bis Sicherheit besteht
Vor Durchführung von kostenintensiven oder potentiell gefährlichen Maßnahmen (Labor, Funktionsdiagnostik etc.) werden diese mit dem Weiterbilder besprochen

2.2 Inhalte

2.21 eigenständige Funktionsdiagnostik (Cave: 3.3 Bei Unsicherheiten / Red Flag: Weiterbilder hinzuziehen!)

EKG und Spiro befunden
Ergometrie durchführen & Ergebnisse besprechen

Sonographie Abdomen / Schilddrüse

2.22 eigenständige Behandlung bei Routinekontrollen

Check-Up- Untersuchungen
DMP- Patienten

Krebsvorsorge

2.23 eigenständige Behandlung von Akutpatienten

banale Infekte
Rückenschmerzen

2.24 Einführung in die Hausbesuchstätigkeit

Kennen lernen der Altenheime, Kurzzeitpflege, Patienten, die regelhaft besucht werden
Hausbesuchstasche

2.25 Abrechnungsziffern /Buchführung:

Was wird wie dokumentiert?
Was bringt welche Leistung?

Reglements. Budget / extrabudgetäre Leistungen, Deckelungen?
Arbeitsmedizin / Wegeunfall: was muss beachtet werden?

2.3 Zwischengespräch:

besteht Sicherheit in Routinevorgängen?
in welchen Bereichen bestehen noch subjektive Unsicherheiten?

wie ist die Beobachtung des Weiterbilders und die Rückmeldung von Praxispersonal / Patienten (professional behaviour)?
Welche Ziele wurden erreicht und welche müssen ggf. noch ergänzt / modifiziert werden?

 

3. Dritte Phase (bis Ende des 1. Jahres): Hausärztliche Routine und Erarbeitung von strukturierten Vorgehensweisen

3.1 Ablauf / Setting

3.11Erarbeitung von Therapieschemata
       zu häufigen Problemstellungen in der Allgemeinmedizin

mehr und mehr eigenständiges Patientenmanagement
Regelmäßige Besprechung von Patientenfällen in Ruhe (täglich – 1 x / Woche)

u.U. können Übergangszeiten vom WBA in der Praxis alleine überbrückt werden
systematisches Erarbeiten von Ablaufplänen und Besprechung mit dem Weiterbildner

3.2 Inhalte

3.21 Allgemeinmedizinische Prävention

Ernährungs- & Bewegungsberatung, was mache ich bei hartnäckigen Fällen?
Nikotinentwöhnung
Sicherheit in der Impfempfehlung
Reisemedizinische Beratung
Vorsorgeuntersuchungen: Mammographie, Coloskopie, PSA- Bestimmung: was rate ich wem?

3.22 Management akuter Beratungsanlässe

Abdominelle Beschwerden
Akute Schmerzen

Fieber / Infektsymptomatik
Thorakale Schmerzen
Dyspnoe incl. exazerbierte COPD, Status asthmaticus, V.a. Lungenembolie

3.23 Umgang mit häufigen Problemstellungen

Schwindel in der Hausarztpraxis
Müdigkeit / Leistungsknick

Gewichtsabnahme
Hautbeschwerden in der Allgemeinmedizin
Kopfschmerzen
Gelenk & Rückenschmerzen, muskuläre Verspannungen
Diffuse Beschwerden ohne plausibles somatisches Korrelat
Das „Rote Auge“
Hörstörungen & Tinnitus
Beinschmerzen
Diarrhöe & Obstipation
Schlafstörungen
Husten

3.24 Therapieschemata und Kontrollschemata für häufige chronische Erkrankungen

Art. Hypertonus
COPD

Diabetes mellitus
Schmerztherapie allgemein

3.25 Der psychisch auffällige Patient

Alkoholismus. Erkennung & Maßnahmen
Umgang mit psychisch überlagerten Beschwerdebildern

Der ängstliche Patient
Der depressive Patient. Management, Therapie der Depression medikamentös / nicht medikamentös
Allgemeinmedizinische Gesprächsführung & Krisenintervention
Lokales Netzwerk: Psychiatrien, Nervenärzte, Psychotherapeuten – für wen ist welche Einrichtung zielführend?

3.26 Der ältere Patient

Umgang mit zunehmender Gebrechlichkeit / Multimorbidität?
Unterbringung zu Hause vs. Heim: was muss gewährleistet sein?

Arzneimitteltherapie im Alter
Betreuungsverfügung & Vorsorgevollmacht
Management von Demenz.
Heil & Hilfsmittelverordnungen

3.27 Allgemeinmedizinische Palliativmedizin & Sterbebegleitung

Schmerz & Symptomkontrolle bei Palliativpatienten
Lokales Netzwerk: Palliativmediziner, Hospizdienste

Umgang mit Angehörigen
Sterbebegleitung zu Hause

3.28 Familienmedizin

bekannte „Problemfamilien“ in der Praxis
Aufstellung der Beziehungen zueinander

Begriff der „gelebten Anamnese“
Umgang mit Angehörigen

3.29 Der erste Notdienst

Inhalte der Notfalltasche, Indikationen für die bereitgestellten Medikamente
Ablauf des Notfalldienstes, Ansprechpartner

Schnittstellen zum Rettungsdienst
Formales: Buchführung & Abrechnung
Maßnahmen bei Psych-KG

3.3 Zwischengespräch:

wie ist die persönliche & professionelle Entwicklung?
in welchen Bereichen bestehen noch subjektive Unsicherheiten?

wie ist die Beobachtung des Weiterbilders und die Rückmeldung von Praxispersonal / Patienten (professional behaviour)?
welche der o.g. Bereiche wurden bisher bearbeitet, welche stehen noch aus?
Rückblick auf die Zielvereinbarungen: welche Ziele wurden erreicht, welche neuen Ziele sind u.U. dazugekommen?
Wie ist die persönliche Situation des Arztes in Weiterbildung: Familiäre Situation, Zukunftsvorstellungen
Besteht Interesse am Kontakt zu universitären Einrichtungen, Weiterbildungsverbünden, Ärztenetzen etc.?

 

4. Vierte Phase (bis Ende der Weiterbildung):
Sicherheit in Diagnostik & Therapie, zunehmend eigenständiges Arbeiten

4.1 Ablauf / Setting:

Der Arzt in Weiterbildung arbeitet zunehmend autonom, kann aber im Zweifel den Weiterbilder fragen
Gemeinsame Fallbesprechungen besonders interessanter oder ungünstiger Verläufe zum Qualitätsmanagement

Vorbereitung auf die eigenständige Praxisarbeit

4.2 Inhalte: s. Phase 3, zusätzlich:

4.3 Praxismanagement

Qualitätssicherungsmaßnahmen in der Praxis
Umgang mit Regress / Vorgaben der KV

Rentabilität der Hausarztpraxis. Was rechnet sich, was nicht?
Umgang mit Personal,  Mitarbeiterbesprechungen

4.4 Individuelle Schwerpunkte entwickeln und ausarbeiten

In welchen Bereichen ist der Arzt in Weiterbildung besonders kompetent?
Welche Zusatzbezeichnungen / Weiterbildungen würden sich anbieten?

Wo bestehen noch Lücken und wie können diese ausgemerzt werden?

4.5 Abschlussgespräch:

Wie ist die Weiterbildung aus Sicht des Assistenten gelaufen? Was war gut / was sollte ggf. verbessert werden?
Wie ist die Rückmeldung des Weiterbildners zum Assistenten?

Wie sind die Stimmen von Mitarbeitern und Patienten?
Ausblick in die Zukunft: wie kann es weitergehen?